Thema der Zeit – „Ein effizientes Gespann“

Als Ehepaar gemeinsam in der Familienfirma – kann das funktionieren? Christine und Eckart von Seydlitz erklären im Interview welche unternehmerischen Vorteile die Konstellation bietet, welche Regeln zu beachten sind und warum die gesamte Familie von der Selbständigkeit profitiert.


Frage: Frau von Seydlitz. Herr von Seydlitz, Sie arbeiten als Ehepaar zusammen in Ihrer Immobilienfirma Aussenalster. Kann eine solche Konstellation funktionieren oder führt sie eher zu lähmenden Konflikten?

Christine von Seydlitz: Wir fühlen uns beide prächtig damit. Wirklich. Ich habe früher in größeren Unternehmen gearbeitet, etwa beim Otto-Versand, Ernst & Young oder Engel & Völkers. In diesen Organisationen gibt es langwierige Prozesse und eine Vielzahl von Hierarchien. Das ist in einer Familienfirma anders. Hier sind die Wege kurz und effizient. Nun bin ich selbständig und habe eine viel stärkere Motivation. Zudem bin unternehmerisch beteiligt und möchte das Geschäft voranbringen. Diese Konstellation kommt der gesamten Familie zugute, weil wir insgesamt flexibler und freier geworden sind, unsere Zeiteinteilung selbst bestimmen. Die Kinder profitieren zudem von den vielen Denkanstößen und identifizieren sich mit unserem Business.

Eckart von Seydlitz: Meine Frau hat aus unserem Hobby-Betrieb eine richtige Firma gemacht. Sie hat Strukturen geschaffen – ein professionelles Marketing, eine gute Kommunikation und einen modernen Internetauftritt aufgebaut. Wir haben diese Dinge früher ausschließlich über externe Vertriebe erledigt. Das war zuweilen zäh und entsprach nicht immer unseren Ansprüchen. Christine setzte die Projekte viel schneller und besser um. Die Motivation ist entscheidend. Sie hat eine andere Vorstellung von Geschwindigkeit, Konsequenz, Professionalität und Realisierbarkeit. Christine hat viele Eigenschaften, die mich und die Firma voranbringen, etwa ihre Verliebtheit für Details. Ich bin sehr glücklich, dass ich mit meiner Frau arbeiten kann und es so gut klappt.

Frage: Sie achten aber bewusst darauf, getrennte Arbeitsbereiche zu haben?

Eckart von Seydlitz: Genau, wir sitzen in verschiedenen Räumen und gehen auch zu unterschiedlichen Zeiten ins Büro. Aussenalster ist eine kleine Wissensfirma mit sechs Mitarbeitern. Alle haben sehr viel Erfahrung in ihren jeweiligen Bereichen, sie sind Spezialisten. Wir trennen die Themen daher ganz bewusst. Ich etwa kümmere mich um die Akquise. Das ist anstrengend und quasi ein Vollzeitjob. Christine macht das Marketing. Sie denkt nicht in Heizungsanlagen oder Verträgen. Sie bringt ihre professionelle Marketingsicht ein und schaut aus Kundenaugen welche Themen gerade am Markt aktuell sind. Sie ist jetzt seit zwei Jahren dabei und hat sich immens eingearbeitet. Ich hätte keine Ehefrau in meiner Firma durchschleppen wollen. Die Rolle als meine rechte Hand wäre für sie und mich schlimm. Christine muss innerhalb der Firma ihre eigene Berechtigung haben. Das geht nur mit getrennten Bereichen, sichtbaren Ergebnissen und alleinigem Arbeiten.

Christine von Seydlitz: Um als Ehepaar eine Firma erfolgreich zu führen, sollte man ein paar Regeln einhalten. Dazu gehören getrennte Arbeitswege und Arbeitszimmer. Und auch zu Hause sollte man sich zwingen, das Thema Job mal zu lassen. Ich komme früher nach Hause als Eckart. Wenn er erscheint, frage ich schon mal, was aus dieser oder jener Sache geworden ist. Dann reagiere ich zuweilen impulsiv, wenn etwas schief lief. Das ist unklug. Diesen Fehler habe ich anfangs gemacht. Inzwischen sind wir viel weiter.

Frage: Wollen Sie das Modell „Ehepaar im Familienbetrieb“ langfristig fortsetzen? Haben Sie einen Masterplan?

Eckart von Seydlitz: Auf jeden Fall. Die Konstellation funktioniert und sie gibt mir ein gutes Gefühl. Wir haben eine geteilte Verantwortung. Das Familieneinkommen ruht auf zwei Schultern. So habe ich auch mal die Möglichkeit abzuschalten. Ich habe großes Vertrauen in Christines Arbeit. Mit externen Dienstleistern läuft es weniger gut, da muss ich auf mögliche Fehler aufpassen. Das passiert bei Christine nicht. Sie liebt Details, hat eine Output-orientierte Denke und geht neue Themen mit Lust an. Ein so effizientes Gespann kann ich mir sonst kaum vorstellen. Das macht Freude.

Christine von Seydlitz: Ja, wir betrachten dieses Modell als langfristig. Vielleicht kommt später noch ein Kind in unsere Familienfirma hinzu. Wir genießen die Vorteile gegenüber einem Job als Angestellte. Wir sind unabhängig, können unsere Zeit einteilen und Familie sowie Beruf koordinieren. Und auch uns persönlich tut es gut. Ich habe früher nicht verstanden, was genau Eckart eigentlich macht. Nun kann ich mich gut mit seinem komplizierten Job identifizieren und habe großen Respekt vor dem, was er tut.

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Das Interview führte Andreas Nölting
www.noeltingmedia.com

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